
Vom Turm von Babel zum Turm von PISA«
Wer wie wir lehrt, besonders Deutsch als Fremdsprache, interessiert sich sicherlich für die PISA-Studie und Konsequenzen, die wir als Gesellschaft aus dieser studiegewordenen schallenden Ohrfeige für das bundesdeutsche Schulsystem ziehen müssen. Letzten Samstag gab es dazu eine Veranstaltung der SPD-Landtagsfraktion in der Toni Jensen-Gesamtschule in Kiel. Hier ging es besonders um die Probleme der Kinder von Migranten, die diese im hiesigen System haben. Die Problematik wurde glücklicherweise nicht nur im eigenen (deutschen) Saft aufgekocht, sondern, das war das äußerst Informative an diesen sechs Stunden, von Fachleuten aus Dänemark, Holland, Finnland und England aus ihren jeweiligen Warten beleuchtet. Aus der folgenden Tabelle können Sie alle Beiträge hören und ein paar auch lesen:
| Titel der Tonaufnahme, Kurzinhalt | Audio | Text html | Text pdf | Dauer | Länge (MB) |
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Dr. Henning Höppner, schulpolitischer Sprecher der
SPD-Landtagsfraktion, begrüßt die Anwesenden. |
mp3 | html | 3' 22'' | 0,99 | |
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Der Schulleiter der Toni Jensen-Gesamtschule,
Herr Volkmar Heller, begrüßt die Teilnehmer. |
mp3 | html | 2' 53'' | 0,85 | |
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Lothar Hay, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, eröffnet das Forum.
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mp3 | html | 6' 58'' | 2,00 | |
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Frau Ute Erdsiek-Rave, Ministerin für Bildung, plädiert für »interkulturelles Lernen« & stellt 2 Projekte vor
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mp3 | html | 36' 18'' | 10,3 | |
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Dr. Höppner gibt das Wort an Dr. Petra Stanat vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin.
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mp3 | html | 0' 57'' | 0.28 | |
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Dr. Petra Stanat (Max-Planck-Institut) schlüsselt die PISA-Studie für Kinder von Migranten auf.
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mp3 | html | 25' 10'' | 7.20 | |
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Dr. Höppner übergibt an Prof. Dr. Hakki Keskin, Bundesvorsitzenden der tgd, Hamburg.
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mp3 | html | 1' 28'' | 0.44 | |
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Prof. Dr. Hakki Keskin stellt 6 Forderungen zur schulischen Integration von Migrantenkindern auf.
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mp3 | html | 26' 08'' | 7.40 | |
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Dr. Höppner hat die Idee, Eltern zu zwingen, ihre Kinder in Kindertageseinrichtungen zu schicken.
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mp3 | html | 0' 48'' | 0.24 | |
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Herr Pötz, Ausländerbeauftragter des Kreises Plön, vertritt das »Preetzer Sprachlernsystem«.
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mp3 | html | 5' 16'' | 1.51 | |
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Dr. Höppner bestätigt die Kritik des Ausländerbeauftragten des Kreises Plön.
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mp3 | html | 0' 30'' | 0.15 | |
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Herr Ahmet Akkaya, bestätigt die Mißstände, die die Studie offenlegt und tritt für Ganztagsschule ein.
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mp3 | html | 3' 11'' | 0.94 | |
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Frau Birgit Lawrenz, Stadt Kiel, zur Chancengleichheit besonders für Aussiedler-Kinder
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mp3 | html | 1' 15'' | 0.37 | |
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Dr. Höppner übergibt das Wort an Dr. Asad Ahmad, Pedagogical Adviser, Kopenhagen, Dänemark.
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mp3 | html | 0' 47'' | 0.23 | |
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Dr. Asad Ahmad, »Integration in the context of social changes« Neues Modell für Integration
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mp3 | html engl. html dt. |
pdf engl. pdf dt. |
24' 28'' | 7.00 |
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Dr. Paul Jungbluth, Nijmegen, Niederlande: nicht die Ethnie ist wichtig, sondern die soziale Schicht.
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mp3 | html | 31' 55'' | 9.10 | |
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Frau Spee (?), DaZ (Deutsch als Zweitsprache) fragt, warum sie nicht fest eingestellt wird.
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mp3 | html | 4' 09'' | 1.10 | |
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Dr. Höppner äußert Verständnis für die Situation der Frau, erläutert beginnende Diskussion über Bedarf.
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mp3 | html | 2' 13'' | 0.65 | |
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Dr. Höppner leitet zur finnischen Darstellung von Frau Sirpa Rönkä über.
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mp3 | html | 1' 05'' | 0.32 | |
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Frau Mag. Sirpa Rönkä, Vantaa, i. d. N. v. Helsinki, referiert über das finnische Schulsystem.
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mp3 | html | 29' 31'' | 8.40 | |
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Mr. Aidan E. Cledwyn-Davies, Worcestershire, England, berichtet über die Evaluierung engl. Schulen
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mp3 | html | 25' 29'' | 7.20 | |
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Dr. Höppner bittet um Fragen aus dem Publikum an die Referenten
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mp3 | html | 1' 20'' | 0.39 | |
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Frau Lisa Hobrich, Anglo-German Association, fragt nach Public und Comprehensive Schools
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mp3 | html | 2' 21'' | 0.78 | |
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Frage an A. Cledwyn-Davies: was passiert mit Schulen, die die Evaluierung nicht bestehen?
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mp3 | html | 2' 30'' | 0.74 | |
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Dr. Höppner fragt Frau Sirpa Rönkä, ob es in Finnland ein zentrales Amt gibt, das Standards überwacht.
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mp3 | html | 1' 41'' | 0.50 |
Nach Frau Ute Erdsiek-Rave, unserer Ministerin für Bildung, Wisschenschaft, Forschung und Kultur, die über »Probleme und Perspektiven für fremde Muttersprache und deutsche Schule« sprach und Frau Dr. Petra Stanat vom Max-Planck-Institut in Berlin, die die PISA-Studie speziell hinsichtlich von Kindern von Migranten aufschlüsselte, hörte ich hervorragende Vorträge, unter anderem von Dr. Asad Ahmat (Dänemark), der die Lage der Migrantenkinder eng mit der Problematik der Integration verzahnte und ganz beiläufig ein ganz neues und interessantes Modell für Integration und eines für Konfliktbewältigung entwickelte.
Dr. Paul Jungbluth aus den Niederlanden diskutierte die Problematik der Aufschlüsselung von Migranten nach Ethnien und führte einleuchtende Argumente dafür ins Feld, diese Probleme doch besser unter dem Gesichtspunkt der sozialen Schicht zu behandeln und nicht auf Nationalitäten herumzureiten. Damit attackierte er die PISA-Studie aus einem unerwarteten Winkel.
Sehr interessante Einblicke in das finnische Schulsystem gab uns Frau Sirpa Rönkä aus Vantaa in Finnland. Sie kommt von der Schule, über die eine der nächsten Ausgaben des SPIEGEL berichten wird und hat selbst einige Jahre in Kiel gelebt. Sie erwähnte, daß in Finnland alle Schüler Anspruch auf Unterricht ihrer Muttersprache hätten und zudem auf Religionsunterricht in ihrer Muttersprache, erteilt von Muttersprachlern. Besonders die Förderung der Muttersprache, die in Deutschland flächendeckend unterbleibt, wird von zahlreichen Wissenschaftlern als Grundlage für das Erlernen einer weiteren Fremdsprache, wie etwa Deutsch, und damit für den gesamten Schulerfolg, angesehen. Obwohl das finnische Schulsystem massiv auf einer hierzulande ja weithin verpönten »Einheits«- oder »Gesamt«-Schule beruht, schneidet Finnland, nicht nur hinsichtlich der Schulerfolge von Migrantenkindern, in der PISA-Studie weitaus besser ab als Deutschland.
Den Abschluß bildete ein Referat von Mr. Aidan E. Cledwyn-Davies aus Worcestershire in England, der vom rigorosen System der Evaluierung und Benotung englischer Schulen berichtete. Alle Testergenisse werden dort in den Zeitungen und im Internet veröffentlicht. Schulen, die diese Evaluierung nicht bestehen (10 %), haben ein Jahr Zeit, sich zu bessern. Wenn die Schule nach diesem Nachsitzen immer noch nicht die erforderliche Leistung bringt, wird sie komplett geschlossen (2 %), Lehrer und Rektoren werden entlassen, und es wird mit viel Geld ein neuer Anfang gemacht.
Michael Kuyumcu