Offener Brief von KursleiterInnen an der VHS Kiel
Vertretung der Honorarkräfte der VHS Kiel, Muhliusstr. 29-31, 24103 Kiel


Frau
Angelika Volquartz
Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Kiel
Fleethörn 9
24103 Kiel

Januar 2004

Geplante Streichung von wesentlichen Programmbereichen der VHS Kiel


Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Volquartz,

wie wir erfahren haben, plant die Verwaltung an der Volkshochschule Kiel die Bereiche Gesundheit, Frauenforum, Seniorenforum, Kunst und Gestaltung, Psychologie, Pädagogik, Geschichte und politische Bildung komplett zu streichen. Übrig bleiben sollen wahrscheinlich nur die Bereiche Sprachen, EDV und Grundbildung.

Wir sind darüber sehr betroffen, verunsichert und fassungslos. Als KursleiterInnen wären viele von uns durch diese Maßnahme natürlich davon direkt betroffen – durch Verlust unserer Arbeitsplätze als Honorarkräfte. Für viele von uns ist die KursleiterInnen-Tätigkeit ein festes finanzielles Standbein, dessen Wegbruch uns vor existentielle Probleme stellt.

Ganz anders ist der ersatzlose Wegfall der genannten Programmbereiche für die vielen Bürgerinnen und Bürger Kiels: für sie besteht dann keine Möglichkeit mehr, sich zu bezahlbaren Preisen als Erwachsene weiterzubilden! Die VHS Kiel ist bis jetzt eine entscheidende Institution für weite Teile der Bevölkerung, kreative Aus-drucksmöglichkeiten kennen zu lernen und zu praktizieren und jenseits von primären Bildungsabschlüssen ihr Grundrecht auf Bildung verwirklichen zu können.

Sind die derzeitigen Pläne der Verwaltung vereinbar mit den berechtigten Forderun-gen nach lebenslangem beruflichem und persönlichem Lernen? Ist die Bildung von Erwachsenen keine Ressource, in die eine Landeshauptstadt investieren will? Sollen in Zukunft bildungsfreudige KielerInnen in die Umlandgemeinden oder nach Hamburg bzw. Lübeck fahren?

Weiter fördert die VHS die Integration aller Bürgerinnen und Bürger in unser Ge-meinwesen – und damit in unsere demokratische Kultur. Menschen unterschiedlichster sozialer Herkunft, Nationalität, unterschiedlichen Alters und Geschlechts können sich allgemeines und spezifisches Wissen und Fertigkeiten aneignen, Probleme erörtern und lösen. Alle TeilnehmerInnen erhalten, pflegen und entwickeln dadurch ihre intellektuelle und körperliche Leistungsfähigkeit – ihre verbale, motorische, künstlerische und emotionale Ausdrucksfähigkeit. So erhalten sie sich auch ihre Arbeitsfähigkeit. Dieser „Gründergedanke“ der Volkshochschulbewegung gilt heute noch genauso wie vor fast 100 Jahren.

Der ersatzlose Wegfall dieser Programmbereiche wäre ein großer Verlust für die kulturelle Leistungsfähigkeit und Attraktivität von Kiel als Landeshauptstadt. Wir, die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen möchten unserer Landeshauptstadt ein ausgereiftes Angebot in der Erwachsenenbildung auch in Zukunft erhalten.

Wir protestieren gegen den geplanten Wegfall der Programmbereiche. Wir fordern den Erhalt der Kieler Volkshochschule als kommunaler Einrichtung der Erwachsenenbildung mit Angeboten in allen Bereichen der allgemeinen, kulturellen, politischen und beruflichen Bildung.

Dafür sammeln wir Unterschriften bei den Bürgerinnen und Bürgern und informieren die Öffentlichkeit.

Wir sind sicher, dass viele MitbürgerInnen Ihnen dankbar sind, wenn Sie sich als Verwaltungschefin in diesem Sinne für den Erhalt der Bildungseinrichtung VHS Kiel einsetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Kursleiterinnen der VHS Kiel





Dieser Brief geht nachrichtlich an die Fraktionsvorsitzenden der Parteien im Rat der Stadt Kiel, verschiedene Ministerien wie die für Bildung, Soziales und Familie, an die Ministerpräsidentin Frau Heide Simonis, die als Landesregierungschefin ihren Wahlkreis in Kiel hat sowie an die »Kieler Nachrichten«.