Geboren wurde Eberhard Weinhuber in Tübingen. An dieser Stätte der traditionsreichen christologischen Forschung besuchte er nach der Grundschule die zweite katholizierte Knabenschule (mit Unterricht in Pädagogie und neureformierter Eulogie) und wechselte anschließend mit einem hervorragenden Abschlußzeugma an die kirchliche Hochschule. Schon seit frühester Jugend hatte Weinhuber, nachdem er eine Vision von unter Winzern wandelnden Engeln gesehen hatte, Interesse an mannigfaltigen Aspekten von Religion und religiösem Leben gezeigt. An der Hochschule kam er in Kontakt mit vielen fortschrittlichen Ideen, unter anderem mit der Lehre von den Nomaden nach Leibnix sowie der militär-christologischen Lehre von Platoon. Weinhuber engagierte sich in der schlagenden Bruderschaft »Euphemia« und wurde bald Mitherausgeber der Monatsschrift für »Aphoristische Nekromantik und Christliche Hetärie«. Seinen Lebensunterhalt verdiente er neben dem Studium mit Untertagearbeit im nahegelegenen Christstollen, aber seine existentialen Interpretationen des Schürfens mit heideggerschen Gestellen stießen bei seinen Untertagekumpels auf wenig Gegenliebe. Es kam, wie es kommen mußte Weinhuber erhielt schließlich die Kündigung wegen Aufwiegelung Arbeitsbefohlener. Doch nach Fürsprache des Tübinger Kirchenvorstandes erhielt Weinhuber ein Zingulum, das sowohl Studiengebühren als auch Kost und Logis abdeckte.
Nach dem Studium lebte Weinhuber einige Zeit in der Erz-Diarrhoe Kratzlusth bei Bücklingen. Als Menstruant und Klistierdiener im Monasterium St. Trappistis hielt er ein strenges Schrei- und Brüllgelübde ein, oktavierte mehrmals täglich im Kreis der »Ruprechtiner Brüder der Besessenheit« und verschrieb sich ganz der Idee der interpersonalen Extase. Der zum Kreis Baden-Einlauf gehörige Bezirk verstand sich damals als Hort des »Ordens der Hüter der Bücher der Chronik« und propagierte allgemeine freie und gemeinschaftliche Apsis. Der Orden erwartete die Apportation Christi und war der festen Überzeugung, diese werde noch im Äon des Ischias eintreten. Diese Erwartung stand in dezidiertem Gegensatz zur damaligen Lehre des Vatikans in dieser Frage und wurde entsprechend scharf geächtet. Das Kloster wurde zwangsgeräumt, und die Brüder der Besessenheit zogen in eine leerstehende Milchbar um, die sie ironisierend »Bar Milchzwang« nannten. Entsagen wollte keiner der Brüder seinem früheren Glauben keiner außer Weinhuber, der eine geistig-moralische Kehrtwende vollzog und fortan die Lehre von der ewigen Unbeflecktheit des Paludamentums verfocht.
Zeit seines Lebens litt Weinhuber an starken Akolythen, was er aber seinen Ummenschen hartnäckig verschwieg. Doch hatte er schwer an den starken, periodisch auftretenden krampfhaften Holiken zu tragen, die dieser ansteckende Ausschlag in der Unterleibsgegend bewirkte. Ein normales Leben zu führen wurde für ihn wegen der schließlich unablässig austretenden Dekrete mehr und mehr unmöglich. Er litt sehr unter dieser Einengung seines Wirkungskreises, sah er sich doch genötigt, mehr als zwanzig mal am Tag in einer aufwendigen Prozedur seine Blase zu phemieren und mehrere Einheiten »Bogomil« zu spritzen.
So mußte er auch sein gerade erst aufgenommenes Anschlußstudium der Theagonie vor Erreichen der Makulatur beenden. Dabei hatte er sich nach absolviertem Prekariat in Tübingen enthusiastisch für eine akademische Laufbahn entschieden und mit seiner Arbeit über das Eucharistieverbot (»Kannibal der Große christologisch gedeutet«) den Grad eines Nunc Dimittis an der kirchlichen Dialyse Tübingen erworben. Seine Tätigkeit als Sprecher des Zentrums für Proletik mußte er ebenfalls niederlegen; der Verlust der Ämter schmerzte ihn so sehr, daß er sich in der Folge mehr und mehr dem Gemeindeleben entzog, an dem er vorher so regen Anteil genommen hatte, und ein neues Leben als Einsiedler begann.
Auf seinem Gut in Cönobit bei Linsengericht in Holstein züchtete er Arianer-Hengste, die er selbst einritt und an durchziehende Invokaviten auf ihrer traditionellen Ketura verkaufte. In überlieferten Lethargien entdeckte Weinhuber eine Anleitung zum Bau einer altertümlichen Anachorete, mit der er Wild und, selten, auf ungebetene Besucher (meist Frömmler und Terziaren) schoß. Er lebte im Unterholz unter einem einfachen geteerten Didach, trank mit Vorliebe frisch gekelterten Dechant und ließ seine eigenhändig gezüchteten Wildschweine Diasporen-Trüffel aufspüren. Als er bei einem seiner Pilzsammelgänge versehentlich in ein Feld mit Dikonissen fiel, verlor er unglücklicherweise ein Bein. Selbst ein Spezialist für Doxologie, Dr. D. Fekth, konnte die verlorene Extremität nicht wieder annähen, da Weinhubers Elischa-Knorpel bei dem Vorfall irreparabel in Mitleidenschaft gezogen worden war. Versuche von Naturheilern, den Elischa mit Hilfe von Baalsbalsam zu regenerieren, schlugen fehl, und zwar so weitgehend, daß auch noch Weinhubers Emmausgang verstopfte. Weinhuber mußte schließlich eine Beinprothese eingesetzt werden.
Doch Weinhuber zeigte selbst nach diesen schicksalhaften Rückschlägen, die er retroflex als »Prüfungen vom Kaliber eines Titularfestes« bezeichnete, große Stamina und verlegte sich, Überlieferungen des Alten Testaments folgend, auf die Zucht von Kanaaaalen, da er festgestellt hatte, daß das Fleisch der Aale, zusammen mit Extrakten der I-Ging-Wurzel, die er in seinen geheizten Infibularien anbaute, die nach der Beinoperation auftretenden Phantomschmerzen spürbar linderten. Nur gegen die chronischen Stiche am Ichthys sollte er nie ein probates Mittel finden; nicht einmal aus dem fernen Menora eingeflogene Mandorla-Enten halfen.
Dennoch bewahrte er stets seinen unverwüstlichen Humor, spielte weiter seine geliebten Megiddo-Turniere (er gewann als erster Mensch überhaupt drei Solo-Weltmeisterschaften in Folge), verpfropfte exotische Xenoglossien mit einheimischen Yoruba-Schößlingen und war auch weiterhin an den unterschiedlichsten religiösen Fragestellungen interessiert. Nur für sich und ausgewählte Freunde, die ihm nach dem Rückzug in die Natur noch geblieben waren und mit denen er gelegentlich christologische Talliten austauschte, schrieb er gegen Ende seines Lebens das posthum zu Berühmtheit gelangende Traktat »Die Parodie Christi am Ende der Weltzeit (Das Buch GMT, 25:01)«. Sein Aufsatz über die sieben heiligen Mordechai-Transformasen zählt heute zu den Klassikern der mokshamanistischen Theographie.
Aus grundsätzlichen Erwägungen gab er seine aus der Mannigfaltigkeitslehre kondensierte Anschauung von der Universalen Einfaltigkeit nur mündlich weiter. In einer hellsichtigen Schaffensphase, in der Weinhuber darauf sann, das christologische Denken mit den Erkenntnismodellen der »harten« Naturwissenschaften westlicher Prägung zu versöhnen, sah er ein Traumgesicht, das ihn über die Einfaltigkeitslehre instruierte. »Einfältigkeitswinkel gleich Ausfälligkeitswinkel« lautete die Kernthese dieser Lehre, aber Weinhuber scheute sich, diese in Buchform zu veröffentlichen, da er Metastasen wie dieser prinzipiell mißtraute. Nur die engen Freunde, die er zu einem alljährlichen Nubien in seiner provisorischen Unterkunft empfing, konnten mit ihm über diese Einsichten disputieren. Hätte Christian Stöckelsau diese nach Weinhubers Ableben nicht in seinem epochemachenden Werk »Formel Eins dem Durchbruch entgegen« publiziert, wären sie der Nachwelt wohl für immer vorenthalten geblieben. Seine »Letzendliche Läßlichkeitslehre« jedoch schrieb Weinhuber, dem dankenswerten Insistieren seines Freundes und Mentors, Prof. Alfred Wucca-Wulfila, nachgebend, nieder, allerdings wurde dem Werk nie die Würdigung zuteil, die Wucca-Wulfila ihm gewünscht hätte. Viele Theologen fanden, daß Weinhubers These vom »Guten als dem geringfügig augmentierten Bösen« der kirchlichen Dogmatik zu sehr ähnelte, um Eigenständigkeit und schöpferische Originalität beanspruchen zu können.
In der Zeit seiner selbstgewählten Einsiedelei wurde Weinhuber die Tochter Prajna-Oblate geboren. Weinhuber bewahrte zeitlebens aufreizendes Stillschweigen über die Mutter. Einmal nur deutete er geheimnisvoll an, daß spirituell zwangsinduzierte Schwangerschaften nicht nur jungen Frauen in Josefsehen vorbehalten bleiben müßten. Prajna-Oblate lag das weltentrückte Naturleben weitaus weniger als ihrem Vater, und mit Erreichen der Vollzähligkeit zog es sie in die sonnige Parousie in Südfrankreich, wo sie in der kleinen Stadt Pluviale Umhängenäherin wurde, ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem preisgekrönten Pallottiner-Hund unternahm und mit Mitte Dreißig einen Paramenten aus Planchet ehelichte. Aus dieser Ehe gingen die Kinder Tunika Lacerna und Toga Cappa hervor, die später im türkischen Tulku gemeinsam die Denkschule des Transpersonalen Tabernakels begründeten.
Obwohl Weinhuber schon lange nicht mehr zur Spitze christologischer Forschung gehörte, als er verstarb, erinnerte man sich seiner nach seinem Tode und zollte ihm und seinem Lebenswerk gebührenden Respekt mit einer feierlichen Beisetzung in Nahum nahe Cönobit. Den Nachruf auf sein Leben hielt Prof. Dr. Schnieppelstütz. Dieser war kurz zuvor in den ständigen theologischen Ausschuß gewählt worden, in dem Weinhuber so kurz, aber wirkmächtig, seine Theorien ausgearbeitet hatte. Schnieppelstütz betonte, welchen Verlust das geistliche Leben durch das Schweigen Weinhubers erlitten habe und für immer erleiden werde. Er nahm ausdrücklich Weinhubers letzte zu Lebzeiten entwickelte, inzwischen kaum noch betrittene These auf, derzufolge Theologen das geistliche Präteritum von »lügen« seien und zollte der Ausdauer Weinhubers Respekt, mit der jener die neue Doktrin der Nyingmapa populär gemacht habe, denn diese habe zu einem Wiedererstarken des Christentums, auch und besonders in breiten Bevölkerungsschichten, geführt. Zudem kündigte Schnieppelstütz an, Weinhubers letztes, vergriffenes, Werk aus akademischen Tagen, »Alraunendämmerung«, werde in naher Zukunft wieder aufgelegt, um das zunehmende Interesse an Kernthesen moderner Christologie zu befriedigen.
Theo A. Rie, November 2007